Kloster

Mittwoch, 24. Mai 2017 06:16
Osterfestkreis, Liturgie: weiss

Esther, Franz Pfanner, Hl. Magdalena Sophie Barat, Hl. Johanna, Hl. Dagmar

Tagesspruch:
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Landwirtschaft

Die Arbeitsbereiche des Konventes

Damit die neue klösterliche Niederlassung auch existieren konnte, mußten Arbeitsbereiche geschaffen werden, von denen die Schwestern sich ernähren und unterhalten konnten. Da sie in den ersten Jahren, bzw. Jahrzehnten keine strenge Klausur beobachten mußten, konnten sie Arbeiten annehmen, die auch außerhalb des Klosterbereiches verrichtet werden konnten, wie die Kinderbewahranstalt, der Handarbeitsunterricht in der Volksschule, die Landwirtschaft. Für ein beschauliches Kloster waren diese Arbeitsbereiche eher ungewöhnlich, vor allem zur damaligen Zeit. Aber vermutlich waren sie hier in Thyrnau auch durch die Bedürfnisse der Bevölkerung mit vorgegeben.

Die Landwirtschaft

Mit dem Schloßgut erwarb 1902 Äbtissin M. Juliana Füglister auch ein landwirtschaftliches Anwesen, das im Laufe der Jahre erweitert und ausgebaut wurde. Der landwirtschaftliche Betrieb besteht heute noch.

Im Kaufvertrag ist folgende "Grundausstattung" verzeichnet:

"vier Ökonomiewägen, ein Wägerl, ein Ökonomieschlitten, drei Eggen, zwei Pflüge, siebzehn Lagerbierfässer, zwei Bottiche, eine Schnitzbank und ca. zwanzig Läden;

im Hofraum drei eichene Blöcher, einige Blöcher von weichem Holz und verschiedene andere Balken, der große Dunghaufen, der Schafmist, der Kalk in der Kalkgrube, ein Hebebaum;

in den Ställen vier Kühe (nämlich eine im Kaufwert von hundertfünfzig Mark, die gelbe, den Schekl und Rückl) ein einjähriges Jungrind und drei Jungrinder im Alter von ein Viertel bis ein Halbjahr, zwei Pferde und zehn Hühner mit einem Hahn.

Außerdem zwei Gsott-truhen, eine Schneidmaschine, zwei Roß- und zwei Ochsengeschirre,

eine Grünfutter-Truhe, ein steinerner Grand und alle steinernen , vier Sensen und vier

Gabeln;"

Ob die Schwestern in den ersten Jahren mit diesem "Grundbestand" an Vieh auskamen, ist mir nicht bekannt. Jedenfalls heißt es 1904 in der Chronik, daß die Äbtissin vom Verwalter des Klosters in Vezelise Schweizer Kühe, die er in der Gegend von Berg, Kt. St. Gallen, gekauft hatte, nach Thyrnau schaffen ließ, um den Viehbestand zu heben.

Das Vieh, die Ernten und Futtervorräte mußten, nachdem im Januar 1902 die Scheune des Schloßgutes abgebrannt war und auch in den ersten Jahren nicht aufgebaut werden konnte, in Hütten und Schuppen untergebracht werden. Erst 1906 wurde die Scheune wieder aufgebaut und 1928 erweitert. 1954 wurde hier auch der Kuh- und Jungviehstall eingebaut, bestehend aus 14 Kuhplätzen, 12 Jungrinderplätzen und 2 Sammelboxen für je 4 Kälber. Am 24.04.1981 wurden die letzten zwei Kühe verkauft, womit die Milchwirtschaft im Kloster ein Ende gefunden hatte.

Als Ochsenstall diente das im Jahr 1903 gekaufte und im Jahr 1905 zu diesem Zweck umgebaute sogenannte Fuchs'sche Haus. An dieses Haus wurden im gleichen Jahr auch die Hühnerstallungen angebaut, außerdem die Einfuhr zum Stadel, bzw. die zur neuen Scheuer.

Der heutige Schweinestall wurde 1928 als Rinder- und Pferdestall gebaut, 1954 als Zucht und Mastschweinestall umgebaut. Zu diesem Zweck diente er fast 30 Jahre bis am.24.10.1983 die letzte Zuchtsau geschlachtet und damit die Schweinezucht aufgegeben wurde. 1986 konnte der Stall als Maststall mit Flüssigmist und mit 48 Mastplätzen den neuen Forderungen angepasst werden. Dabei wurde auch der Dachstuhl verstärkt und ausgerichtet, das Dach neu eingedeckt und die Fassade zur Hofseite erneuert.

Der Schweinestall im Rohbau, 1932.

Feldarbeit in den ersten Jahren. 1905/1910.

Von li.: Sr. Philomena Voser, Sr. Antonia Graf, Äbtissin Juliana Füglister, Sr. Roberta Huber. Die Schwestern trugen damals noch den weißen Habit bei der Feldarbeit.

Auch wurde 1932 ein Schweine- und Hühnerstall gebaut. Im März dieses Jahres mit den Vorarbeiten begonnen. Beide Ställe schlossen an die Waschküche an und lagen damit innerhalb der Klausur, was vor allem für die Schwestern praktischer war. Zu diesem Bau wurde das Gutachten des Marienstätter Zellerars P. Alberich eingeholt, der aus diesem Grunde einige Tage in Thyrnau verbrachte. Aber schon 10 Jahre später drohte dieser Stall einzustürzen. Er mußte gründlich umgebaut werden, wobei er auch gleich höher ausgeführt wurde.

Hinter der großen Scheune wurde 1931 ein kleiner Schuppen gebaut.

Im Hofe wurde ein Holzschopf abgebrochen und hinter der großen Scheune aufgebaut. Die Scheune selbst wurde vergrößert.

1962 erfolgte der Bau eines neuen Hühnerstalles. Gut dreißig Jahre später, 1995, wurde dieser Stall, seit Jahren nicht mehr für seinen ursprünglichen Zweck genutzt, abgerissen.

1939 war im Heuboden schon ein elektrischer Aufzug eingebaut worden.

1943 wurde ein Getreidebinder als Ergänzung der landwirtschaftlichen Maschinen angeschafft und fünf Jahre später der erste Schlepper für RM 7.063,5C.

1964 konnte bei den Erntearbeiten das erstemal ein Mähdrescher eingesetzt werden, was die Arbeit wesentlich erleichterte.

1955 erfolgte unter Äbtissin M. Ludwigis eine erste Flurbereinigung in Thyrnau. Durch freiwilligen Tausch mit acht Nachbarn konnte die landwirtschaftliche Nutzfläche des Klosters auf ein Flurstück vereinigt werden. Die damaligen Notar- und Vermessungskosten gingen voll zu Lasten des Klosters. Das neue Flurstück wurde neu eingeteilt, wobei auch die Wege neu verteilt und angelegt wurden.

Zur gleichen Zeit wurde damals der ehemalige Kuhstall in einen Schweinestall umgebaut,

der die Arbeit sehr erleichterte. 1986 erhielt dieser Stall einen Spaltenboden und damit verbunden einen neuen Gülleabfluß. Auch ein Futter-Automat wurde installiert.

Im Laufe der Jahre wurde der Betrieb immer mehr mechanisiert. Im gleichen Maß arbeiteten

immer weniger Schwestern in diesem Arbeitsbereich mit. Aus dem Jahresberichtsbogen des Deutschen Caritasverbandes für 1948 geht hervor, dass damals von 47 Schwestern 19 in der Haus- und Landwirtschaft tätig waren. Im Jahre 1969 arbeiten noch 11 Schwestern ständig in der Landwirtschaft, 1975 waren es noch fünf und ab 1990 ist in diesem Bereich nur noch eine Schwester tätig.

Als 1975 nur mehr fünf Schwestern in der Landwirtschaft tätig sein konnten, und außerdem die Konkurrenz bzgl. der landwirtschaftlichen Produkte immer größer wurde, musste überlegt werden, wie dieser Bereich gestaltet sein muss, um mit und in ihm überleben zu können. Die Schwestern informierten sich gründlich und entschlossen sich, den Betrieb auf Mastschweinproduktion umzustellen. Doch wegen der Geruchsbelastung wurde keine Baugenehmigung erteilt.

Weniger Belastung bringt die Mastbullenhaltung mit sich. So wurde ein Antrag für einen derartigen Stall gestellt und nach vielen Verhandlungen mit den Behörden erhielten die Schwestern dafür die Baugenehmigung und staatliche Förderung in Form eines zinsverbilligten Darlehens.

Es entstand ein Mastbullenstall in Holzbauweise für 84 Mastplätze auf Vollspaltenboden. Außerdem wurden zwei Fahrsilos, je 350 m3 Silomais fassend, und eine Güllegrube, 430 m3 groß, angelegt. 1977 lag die Viehproduktion bei 72 Bullen. In den Jahren 1980 - 1989 bei jährlich durchschnittlich 83 Bullen. Nach einer Extensivierung in der Bullenhaltung im Jahr 1990 standen zwischen 1990 und 1994 jährlich durchschnittlich 67,4 Bullen im Stall. Die Bullen werden über Südfleisch in Pfarrkirchen vermarktet.

Sr. Hermanna beim Füttern im Bullenstall, 1986.

Bei den Mastschweinen lag die Produktion für 1994 bei 149, in den Jahren 1985-1994 bei jährlich durchschnittlich 144,1 Schweinen. Bei durchschittlich 99,6 Futtertagen vom Zukauf bis zum Schlachtgewicht kann der Schweinestall jährlich dreimal bestückt werden.

Im Wirtschaftsjahr 1994/95 wurden auf den Feldern folgende Früchte angebaut:

Wintergerste 04,5 ha

Tritica1e 04,0 ha

Winterweizen 02,6 ha

Raps 03,5 ha

Mais 13,0 ha

Kartoffeln 00,1 ha

Flächenstillegung 03,3 ha

Die Verwaltung des Klostergutes übergaben die Schwestern nachweislich ab 1909 einem Verwalter, der für diese Arbeit eingestellt wurde. Bis heute können 13 Verwalter gezählt werden. Der letzte, Josef Poschinger, wurde am 01.03.1969 eingestellt und versieht diese Arbeit inzwischen über 25 Jahre. Seit 1990 arbeitet er allein mit Sr. Hermanna zusammen. Dreschen und Maishäckseln wird allerdings von Lohnunternehmern durchgeführt.